Bominflot Tanklager GmbH, Kiel

Schiffsverladung Bominflot

RS-Referenz: Bominflot Tanklager GmbH, Kiel
Der Nord-Ostsee-Kanal von Brunsbüttel an der Elbmündung bis Kiel-Holtenau an der Kieler Förde ist die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Der Kanal durch Schleswig-Holstein verbindet die Nordsee mit der Ostsee und macht damit den rund 900 km längeren Umweg durch Skagerrak und Kattegat und um die Nordspitze Dänemarks herum überflüssig. 100 statt 1000 km – das spart der Schifffahrt nicht nur Treibstoff, sondern vor allem Zeit.
Und da jede Betriebsstunde richtig ins Geld geht, liegt es auf der Hand, dass auch die Bunkerstationen entlang dieses Wasserwegs auf zeitsparende Verladetechnik angewiesen sind, also auf den schnellen Durchfluss bei Schlauchleitungen und Armaturen. Allerdings auch auf Sicherheit vor Verladeunfällen: Angesichts der empfindlichen Öko-Systeme Wattenmeer und Ostsee wäre z.B. ein Ölunfall eine Katastrophe. Bei Bominflot in Kiel setzte man deshalb seit Jahrzehnten auf die Nottrennkupplungs-Technologie von RS.
Am Ostausgang des Kanals, von der Kieler Förde aus gesehen unmittelbar hinter der Schleuse Kiel-Holtenau, liegt das Tanklager der Fa. Bominflot. Für alle Schiffe auf dem Weg von der Ostsee in die Nordsee buchstäblich die erste Adresse, wenn es um das Bunkern von Mineralprodukten geht, aber auch die Versorgung mit Trinkwasser oder die umweltgerechte Entsorgung von Flüssigabfällen. Mit zehn Mitarbeitern ist dieses Tanklager sieben Tage die Woche täglich 24 Stunden servicebereit.


Sichere Verladung auch bei schwerer See

Das Bunkern oder Löschen von Flüssigkeiten über Land-See-Schlauchleitungsverbindungen ist immer mit besonderen Belastungen für Schläuche und Armaturen verbunden. An der Landseite werden die schweren Schläuche (bis DN 300) bei jedem Kupplungsvorgang notwendigerweise über den rauen Untergrund gezogen. Außer dieser mechanischen Belastung wirken Biegekräfte und Torsion auf den Schlauch. Hinzu kommt, dass Schläuche und Armaturen permanent im Freien liegen, also der UV-Strahlung und der Witterung ungeschützt ausgesetzt sind, wobei an der See auch noch die chemische Belastung durch die salzhaltige Luft hinzutritt.
An der Seeseite treten weitere mechanische Belastungen hinzu. Jedes Schiff ist anders, d.h. die Anschlussstellen an Bord liegen unterschiedlich weit von den Ladestationen entfernt, die Bordwände sind unterschiedlich hoch, und das führt zu Knick- und Scheuerbelastungen an der Reling und zu Zugbelastungen zwischen den Anschlussarmaturen an Land und an Bord. Darüber hinaus wirken Strömung, Wind und Wellengang auf das Schiff, das von den Festmacherleinen zwar an der Pier gehalten wird, aber sich ständig bewegt.
Für diese Lasten sind die Schlauchleitungen ausgelegt. Wenn die Abdrift aber zu stark ist und z.B. eine Festmacherleine reißt oder sich löst, weil sie an Bord nicht fachgemäß an der Klampe belegt ist, wird es kritisch. Keine Schlauchleitung kann ein abtreibendes Schiff halten. Das heißt, die Schlauchleitung würde in einem solchen Fall reißen, und dann könnte z.B. Schweröl ungehindert ins Meer bzw. den Kanal laufen, bis der Unfall bemerkt wird und der weitere Zufluss händisch abgesperrt wird.

RS rettet vor Umweltschaden

Aus diesem Grund sind für solche Verladungen Notrennkupplungen vorgeschrieben, die im Falle eines Unfalls gleichzeitig zwei Funktionen ausüben: Ein Trennmechanismus, der hinreichend weit vor der Belastungsgrenze des Schlauches anspricht, trennt an einer geplanten Stelle die Leitung zwischen der mobilen Einheit und dem Verladesystem. Gleichzeitig wirkt eine Verschlussautomatik für beide Trennstellen, um das Austreten des Mediums zu verhindern.
Wie notwendig solche Sicherheitsregelungen sind, hat man auch bei Bominflot schon erlebt. “ Vor Jahren hatten wir einmal den Fall, dass ein Schiff, das bei uns angelegt hatte, durch den Sog der Bugwelle eines schnell vorbeifahrenden Dickschiffs von der Pier losgerissen wurde“, erinnert sich Bominflot-Geschäftsführer Jens Weselmann. “Zum Glück hatten wir eine Nottrennkupplung von RS, die genau das tat, was sie sollte: Sie trennte, und die beiden Kupplungshälften schlossen sich.

Nottrennkupplungen von RS von DN 80 bis DN 300

Auf Verladesicherheit Marke RS setzt Bominflot von Anfang an. An den insgesamt vier Verladestellen entlang der 400 m langen Pier gibt es an den Armaturen für die verschiedenen Medien in den Tanks unterschiedliche Schlauch- und Armaturengrößen von DN 80 bis DN 300. Die kleinste Nottrennkupplung stammt noch aus der Anfangszeit des Unternehmens: eine Nottrennkupplung ABV in der Nennweite von DN 80 mit einem Auslöseprinzip über drei Bruchbolzen. Schläuche mit größerem Querschnitt dagegen sind mit Nottrennkupplungen ABV-S in den Abmessungen DN 150 und DN 200 ausgestattet. Sollte ein Schiff über einen vorgegeben Radius hinaus wegdriften, wird die ABV-S über einen voreingestellten Seilzug ausgelöst, bevor die Schlauchleitung überhaupt durch Zugkräfte belastet wird. Diese Größen werden heute in der Regel für das Beladen der Schiffe eingesetzt, also z.B. das Bunkern von Gasöl (=Schiffsdiesel als Treibstoff). Hier werden pro Schiff Mengen zwischen 10 m³ und 300 m³ verladen. Wenn bei größeren Schiffen also rund 300.000 Liter durch die Schlauchleitungen fließen, ist der Schlauchquerschnitt und damit die Durchflussmenge pro Stunde ein entscheidender Faktor für die Anlegedauer. Wenn Bominflot in den eigenen Tanks z.B. Schweröl oder Gasöl einlagert, geht es mit dem Faktor zehn noch einmal in eine ganz andere Volumendimension. Dann werden von den Tankern zwischen 300 und 1000 t gelöscht. Die laufenden Betriebskosten während der Anlegezeiten pro Betriebsstunde und Schiff belaufen sich hier auf einen mindestens vierstelligen Euro-Betrag. Da ist dann selbst eine DN 200-Schlauchleitung zu klein.
Andererseits gibt es bei der Verladung an der Pier Grenzen des Wachstums. Selbst was technisch möglich wäre, ist dann im Handling kaum mehr zu bewältigen. Noch zu bewältigen ist eine 300er Schlauchleitung. Diese Größe war im RS-Sortiment bis vor kurzem noch nicht angeboten, doch angesichts der bisherigen guten Erfahrungen wollte Bominflot in punkto Nottrennkupplung bei einem Hersteller bleiben. So kam die Frage an RS Seliger: “Könnt ihr auch DN 300?“

Große ABV-S mit hohem Durchfluss

RS-Produktlinienmanager Dipl.-Ing. Holger Brandt und Dipl.-Ing. Frank Witzmann vom RS-Außendienst Nord setzten sich mit Bominflot-Geschäftsführer Jens Weselmann zusammen und diskutierten die Anforderungen. Anschließend machte sich die RS-Entwicklungsabteilung an die Arbeit und konstruierte eine ABV-S der Nennweite DN 300. Dafür war mehr zu tun als nur die bisherigen Konstruktionszeichnungen proportional zu vergrößern. Es galt, die Sollbruchlasten exakt zu berechnen und die zuverlässige Auslösung in Praxistests am Prüfstand nachzuweisen, um die Zulassung des TÜV für die neue ABV-S zu bekommen.
Als die neue Nottrennkupplung installiert war und die ersten Probeläufe in der Praxis absolvierte, waren die Bominflot-Mitarbeiter begeistert. Musste ein Tanker zum Löschen seiner Ladung vom Anlegen bis zum Ablegen vorher rund zwölf Stunden an der Pier bleiben, so verkürzte sich diese Zeit durch die neue Notrennkupplung auf rund acht Stunden. Jens Weselmann: “Zwischen 30 und 40 % Zeitersparnis ist eine Größenordnung, bei der sich die Investitionskosten in überschaubarer Zeit amortisieren.“

ABV-S-Serie – gesichert für den Fall des Falles

Die Nottrennkupplungen der ABV-S-Serie werden im Notfall mit Seilzugauslösung aktiviert. Die ABV-S löst weggesteuert, ohne mechanische Belastung der Schlauchleitung, die sichere Trennung aus und verhindert den Austritt umweltgefährdender Medien. Sie ist geeignet für einen Betriebsdruck bis PN 25 und einen Temperaturbereich von -20 bis 70°C.

ABV – gesichert für den Fall des Falles

Die Nottrennkupplung der ABV-Serie, hier in DN 80, beugt einem Betriebsunfall vor. Sie schützt den Schlauch bzw. damit verbundene Systeme vor zu hoher Belastung. Bei nicht axialer Belastung, z.B. beim Verdriften des Schiffes, trennen sich die beiden Hälften der Nottrennkupplung mittels der über den Schlauch übertragenen Zugkraft durch Bruch der Sollbruchstelle an den drei Bolzen. Nach der Trennung schließen die Ventile und verhindern auf der Schlauch- und der Rohrseite ein Auslaufen des Mediums.

Gut eingebunden

Die Schalenverschraubung gem. DIN EN 14420 (DIN 2817) bindet den Schlauch sicher ein.

Zahlen – Daten – Fakten

Bominflot, Standort Kiel

Die Bominflot Kiel Tanklager GmbH gehört zur Bominflot Gruppe mit Sitz in Hamburg. Bominflot ist einer der größten unabhängigen weltweit agierenden Bunkertradern und -lieferanten mit über 35 Jahren Markterfahrung. Das Leistungsangebot umfasst die Lieferung von Marine-Treib- und Schmierstoffen und Cargo-Trading bis hin zu einer Vielzahl von Serviceleistungen für die internationale Schifffahrt, wie z.B. Agenturleistungen oder auch die Entsorgung u.a. von ölhaltigem Bilgenwasser und ölverschmutzten Betriebsmitteln. An den deutschen Standorten in Hamburg, Bremerhaven und Kiel bietet Bominflot darüber hinaus auch Dienstleistungen im Bereich Lagerhaltung für bestimmte Flüssigprodukte an. Als Mitunterzeichner der internationalen MARPOL-Konvention zum Schutz der Meere bekennt sich Bominflot zur Einhaltung höchster Sicherheitsstandards bei Arbeits- und Umweltschutz.
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