Professionelle Schlauch- und Armaturentechnik in der Lebensmittelproduktion

Die gefühlte Wirklichkeit: Ein Lebensmittelskandal folgt dem anderen. Der Verbraucher ist verunsichert und fragt sich, wem er noch vertrauen kann. Die geprüfte Wirklichkeit: Nie war die Lebensmittelqualität so hoch wie heute. Die andere Wirklichkeit: Viele Skandale werden anscheinend nicht zu Skandalen, weil kontaminierte Chargen entsorgt werden, bevor sie in den Handel kommen. Die ganze Wahrheit: Man weiß eigentlich viel zu wenig. Weil die Beteiligten im Prozess zu wenig miteinander reden. RS Roman Seliger hat mit dem ersten Expertengespräch zu diesem Thema ein Forum geschaffen und eingeladen: Vertreter der Wissenschaft, des Anlagenbaus, der Lebensmittelindustrie. Bis auf letztere kamen sie nach Düsseldorf und diskutierten am “Runden Tisch“: Hygienic Design in der Lebensmittelproduktion – wo stehen wir, wo geht es hin? Vor allem: Wie kommen wir gemeinsam dahin?

Hygienic Design: Aufgaben lösen, bevor sie entstehen

Lebensmittelqualität beginnt immer in der Herstellung. Was hier nicht stimmt (und nicht rechtzeitig entdeckt und aus dem Verkehr gezogen wird), wandert die Vertriebskette entlang bis zum Endverbraucher. Deshalb liegen Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit an erster Stelle in der Verantwortung des Lebensmittelherstellers. Eine umfassende Qualitätskontrolle und die Durchführung einer hygienischen Produktion muss gesichert ablaufen, permanent optimiert und immer den aktuellsten Anforderungen angepasst werden.
Die entscheidenden Weichen werden aber schon mit dem Hygienic Design gestellt – oder eben nicht. Dabei steckt die Lösung immer im Detail. Nämlich in der reinigungsgerechten bzw. -freundlichen Gestaltung von Bauteilen, die konstruktiv möglichst alle Bereiche ausschließt, in denen sich im Produktionsprozess oder auch bei der Reinigung Rückstände ansammeln können, die dann das Produkt kontaminieren.

Anlagen- und Komponentendesign: Biofilm im Totraum

Vor allem erfordert eine effektive und sichere Reinigung von Produktionsanlagen leicht reinigbare Komponenten – z.B. Armaturen ohne Toträume oder Schlaucheinbindungen ohne Kanten und Spalten. Edelstahl als Werkstoff ist nur eine Voraussetzung für die Sterilproduktion.
Schweißnähte, ungeeignetes Dichtungsmaterial, Toträume hinter Ventilen oder Hähnen bieten Rückständen aus der Produktion wie aus der Reinigung das Biotop, auf dem Biofilme entstehen können. Hier ist nicht nur konstruktiv innovatives, sondern auch kreatives Design gefragt. Design, wie es z.B. in den Produkten des “Systems LEBENSMITTEL“ von RS umgesetzt wird, die zur Zertifizierung beim EHEDG anstehen.

Reinigung: gut gemeint – häufig schlecht gemacht

Auch wenn die Hersteller von Anlagenkomponenten gemäß Hygienic Design optimierte Bausteine liefern, die Anlagenbauer aus diesen Komponenten hygienisch korrekte Anlagen konstruieren und bauen, bei der Lieferung die “Bedienungsanleitung“ für Reinigung und Wartung beilegen, so ist das noch lange keine Gewähr, dass der Lebensmittelhersteller auf dieser Anlage auf Dauer vom Hygienic Design profitiert. Reinigungsdienstleister, die unter dem Druck, den Anlagenausfall zu minimieren, nach dem Prinzip “Je schärfer, desto besser“ mit der chemischen Keule hantieren, beschädigen u.U. die Dichtungen oder Schlauchseelen in einem Maße, dass der hygienische Anlagenzustand nach der Reinigung schlechter ist als vorher. Und die Betriebsschlosser der Instandhaltungsabteilung, die unter dem Druck knapper Geld- und Zeitbudgets handwerklich perfekt und oft auch “kreativ und pragmatisch“ Herausforderungen lösen, können in Unkenntnis der Anforderungen des Hygienic Designs wohl das billigere, aber eben genau das falsche Ersatzteil einbauen. Die Herausforderung: Es fehlt am breiten Bewusstsein hinsichtlich der Anforderungen und der Wichtigkeit des Hygienic Designs für die lebensmittelgerechte Produktion.

EHEDG – Hygiene nach Plan

Die European Hygienic Engineering & Design Group (EHEDG) hat sich als Anlaufstelle in Deutschland in Sachen Hygienic Design zur Aufgabe gemacht, Unterstützung und Anleitung für alle Aspekte der hygienegerechten Konstruktion und Fertigung von Anlagen und Maschinen zur Herstellung “sicherer“ Nahrungsmittel und ähnlicher Produkte bereitzuhalten. Sie zertifiziert Bauteile und Anlagenkomponenten, die z.B. in der Nahrungsmittel-, Getränke- oder Pharmaindustrie besonders hohen Reinheitsanforderungen unterliegen. Der Sitz des EHEDG-Sekretariats ist das Haus des VDMA in Frankfurt.

RS Roman Seliger Armaturenfabrik GmbH – Die starke Marke im System

RS hat im Markt einen guten Namen als einer der technologisch führenden Hersteller auf dem Gebiet der Schlauchleitungs- und Armaturentechnik zum sicheren Fördern und Überwachen von ganz unterschiedlichen Medien. Seine Kupplungen sorgen bei anspruchsvollen Anwendungen vom Anlagenbau bis zur Chemie-, Pharma- oder Lebensmittelindustrie ebenso wie an der Schnittstelle zwischen Industrie und Logistik (Schiffe, Flugzeuge, Tankwagen ...) für den sicheren Transport und das sichere Handling auch problematischer Medien. Zu leisten ist das nur mit absoluter Innovationsbereitschaft im Ingenieurbereich und einer starken Servicekomponente vor Ort. Das weltweit agierende mittelständische Unternehmen mit Sitz in Norderstedt bei Hamburg ist qualitätszertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2000 und verfügt über Zulassungen des TÜV und des Germanischen Lloyd. Geschäftsführer ist Dr.-Ing. Jens Reppenhagen.

Moderator Louis Schnabl

Moderator Louis Schnabl 

Geschäftsführer HS Public Relations GmbH (Düsseldorf): Die Lebensmittelindustrie muss eigentlich ein vitales Interesse daran haben, in der Öffentlichkeit darzulegen, mit welchen Maßnahmen sie die hygienische Herstellung ihrer Nahrungsmittel gewährleistet. Das sollte man wenigstens meinen. Die Realität sieht anders aus. Das Stichwort “Hygienic Design“ wirkt anscheinend nicht als Vorteilsargument in der Marketingkommunikation, sondern löst Unbehagen aus. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass gleich eine ganze Reihe von renommierten Markenartikelherstellern der Lebensmittelindustrie ebenso wie ihre Verbände die Teilnahme an diesem Expertengespräch negierte. Es darf spekuliert werden. Ein Zeichen von Stärke ist es gewiss nicht.